Start Motorsport 40 Jahre Turbo-Saga bei Renault

40 Jahre Turbo-Saga bei Renault

Vor 40 Jahren erzielte Renault beim Großen Preis von Frankreich den ersten Turbosieg in der Formel 1. Der Triumph von Jean-Pierre Jabouille im neu konstruierten RS10 markierte gleichzeitig den Beginn für den Siegeszug der turboaufgeladenen Fahrzeuge der Marke. Dazu gehören seit 1979 erfolgreiche Wettbewerbsfahrzeuge wie die zahlreichen Rennsportvarianten des Renault 5 Turbo ebenso wie wegweisende Serienmodelle für die Straße – vom Renault 18 Turbo von 1980 über den Fuego Turbo bis hin zum brandneuen Mégane R.S. TROPHY-R, der erst vor Kurzem die Bestzeit in seiner Klasse auf der legendären Nürburgring-Nordschleife aufgestellt hat. 

Motorsport ist für Renault bereits seit der frühen Unternehmenshistorie ein Forschungslabor für neue Technologien. Dabei spielt die Formel 1 eine besondere Rolle, denn die Königsklasse stellt die höchsten Anforderungen an Mensch und Material. Für die Formel 1 entwickelt Renault Spitzentechnologien, die später direkt oder indirekt in Serienfahrzeuge einfließen. Ein Beispiel dafür ist die Turbotechnologie, die bereits ein Jahr nach dem ersten Formel 1-Turbosieg im Renault 18 angeboten wurde. Heute kommen Turbolader in den meisten Renault Serienmodellen zum Einsatz.

Der Startschuss in die Renault Formel 1-Turbo-Ära fiel 1977. Zwei Jahre lang sammelte das Werksteam wertvolle Erfahrungen, um dann 1979 in seiner dritten Formel 1-Saison alles auf Sieg zu setzen. Hierfür hatte Renault den neuen RS10 mit modernem Ground-Effect-Chassis entwickelt. Auch beim 1,5-Liter-Turbomotor gab es eine entscheidende Änderung: Das Triebwerk verfügte nun über zwei kleinere Turbolader anstelle eines großen Laders, wodurch sich das Ansprechverhalten verbesserte, und die Leistung stieg. Neben Stammpilot Jean-Pierre Jabouille engagierte das Team als Nummer zwei dessen Landsmann René Arnoux.

1902: Louis Renault entwickelt das Grundprinzip des Turbos

Die Grundidee der Turboaufladung stammt bereits aus den Pionierjahren des Automobils und wurde von Louis Renault selbst entwickelt. 1902 meldete er eine Konstruktion zum Patent an, bei der ein mechanisch angetriebener „Ventilator” oder ein kompakter Kompressor das Gemisch aus dem Vergaser mit erhöhtem Druck in die Zylinder befördert. Das Ergebnis: mehr Leistung und Effizienz. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren der Kompressor und vor allem der Turbolader bei großen Dieselmotoren in Lokomotiven und Lastkraftwagen weitverbreitet.

Zunächst nur im Motorsport, ging der Turbomotor dann Anfang der 1970er-Jahre auch bei Renault an den Start. Auf einer turboaufgeladenen Alpine A110 Gruppe 5 wurde Jean-Luc Thérier 1972 Sieger bei der Rallye Critérium des Cévennes. 1975 kam die Turbotechnologie dann bei den Alpine Langstrecken-Prototypen zum Einsatz. Nach ersten Versuchen in der Renault Alpine A441T folgten die Modelle A442, A442B und A443. In der A442 holten Jean-Pierre Jaussaud und Didier Pironi 1978 den Sieg bei den berühmten 24 Stunden von Le Mans. Nach diesem Erfolg setzte sich Renault ein neues Ziel: den Sieg in der Formel 1 mit dem 1,5-Liter-Turbomotor, der gegen die etablierten 3,0-Liter-Saugmotoren antreten sollte. Mit dem legendären Formel 1-Turboerfolg des RS10 von 1979 revolutionierte Renault die Königsklasse des Motorsports und setzte einen neuen Technikstandard – Ferrari, BMW, Porsche, Honda und Co zogen nach. Diese erste Turbo-Ära in der Formel 1 dauerte bis 1988.

2014 kam der Turbo in Form der neuen V6-Hybrid-Turbomotoren in die Formel 1 zurück. Cyril Abiteboul, Geschäftsführer von Renault Sport Racing, resümiert den Turbo-Siegeszug heute wie folgt: „Die Idee, die Turbotechnologie, die bei Lastkraftwagen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, zum Einsatz kam, auf die Formel 1 zu übertragen, war zweifellos eine der kühnsten und auch visionärsten Ideen in der Geschichte des Motorsports. Umgesetzt auf Großserienautos, ist der Turbo mittlerweile zu einem Teil unseres Alltags geworden und ein Symbol für Kraft, Geschwindigkeit und Fortschritt.”

Heute setzt Renault den Turbolader bei den meisten seiner Serienfahrzeuge ein und bedient damit den aktuellen Trend zum Downsizing beziehungsweise Rightsizing. Die Turbotechnologie steht heute bei Verbrennungsmotoren für mehr Leistung bei weniger Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen.

Fotos: Renault