Start Fahrbericht Fahrbericht Subaru Levorg 2.0i: Mittelklasse-Kombi zum Kompakt-Preis

Fahrbericht Subaru Levorg 2.0i: Mittelklasse-Kombi zum Kompakt-Preis

Kennen Sie noch den Legacy? Mit ihm mischte Subaru seit Ende der 80er-Jahre erfolgreich in der Mittelklasse mit, hierzulande vor allem mit der Kombiversion. Mittlerweile fühlt sich aber auch der der japanische Pkw-Allradpionier wie viele andere Hersteller auf dem SUV- und Crossover-Terrain wohler. Vor vier Jahren gab es mit dem Levorg dann plötzlich aber doch einen legitimen Nachfolger, der allerdings ausschließlich als Kombi auf den Markt kam. Die Modellbezeichnung soll sich aus den Worten Legacy, Revolution und Touring zusammensetzen.

Mit dem jüngsten Modelljahr ist der Turbo beim Levorg verschwunden. Sichtbares Zeichen ist die fehlende Lufthutze auf der Motorhaube. Dafür sank der Preis aber auch um 3000 Euro – und damit auf Kompkatklasse-Niveau. Rechnet man noch Allradantrieb und die Automatik (beides ist Serie) hinzu, steht der Levorg mit einem Einstiegspreis von knapp 28.250 Euro als Mittelklasse-Kombi konkurrenzlos da. Die von uns gefahrene Topausstattung Exclusive verlangt zwar rund 8000 Euro mehr, aber auch das ist immer noch ein äußerst attraktiver Preis.

Der Levorg lässt sich durchaus sportiv bewegen, wobei die beheizbaren Vordersitze ruhig etwas mehr Seitenhalt offerieren könnten. Der Subaru fühlt sich dabei deutlich dynamischer an als die reinen Zahlen widerlegen. Lenkimpulse setzt der Subaru leichtgängig und präzise um. Zum sportlichen Fahrgefühl trägt auch der serienmäßige Allradantrieb inklusive Torque Vectoring bei. Den gefürchteten Gummiband-Effekt hat das CVT-Getriebe zwar nicht gänzlich abgelegt, er ist aber längst nicht mehr so lästig wie in früheren Modellen der Marke. Mit Lupfen des Gaspedals oder Eingreifen per Schaltwippen, die mit sieben Stufen belegt sind, lassen sich unerwünschte Drehzahlspitzen der Lineartronic kappen. Allerdings lässt sich die Automatik nur ungern ins Handwerk pfuschen und wechselt nach manuellem Maßregeln recht rasch wieder in den D-Modus und ihr genehmere höhere Drehzahlregionen. Beim Kickdown können es durchaus schon einmal 6000 Touren sein.

Nicht nur hier macht sich der fehlende Turbo bemerkbar, weil sich der Motor mit seinen knapp 200 Newtonmetern Drehmoment etwas mehr ins Zeug legen muss. 11,7 Sekunden als Wert für den Standardsprint sind kein Ruhmesblatt, auch wenn sich der Wagen subjektiv deutlich schneller anfühlt. Denn angestrengt wirkt das 2,0-Liter-Triebwerk nie, und die 150 PS (110 kW) reichen allemal. Wer es etwas mehr Temperamentsausbrüche haben möchte, der kann das Getriebe auch in den S-Modus schalten. Wir hielten es größtenteils für nicht nötig. Untermalt wird das alles von einem leicht kernigen, aber nicht aufdringlichen Klang aus den beiden Endrohren. Andere Geräusche hält Subaru weitestgehend von den Insassen fern.

Der Subaru geizt nicht mit Ablagen und bietet unter anderem drei USB-Ports, zwei 12-Volt-Steckdosen und einen Aux-Eingang. Das neue Infotainmentsystem der dritten Generation ist immer noch mit einem CD-Player (löblich) bestückt, aber natürlich auch für Android Auto und Apple Carplay sowie verschiedene Apps des Star Link genannten Konnektivitätsangebots von Subaru ausgelegt. Im zentralen Zusatzdisplay lassen sich Gimmicks wie der Lenk-, der Neigungs- bzw. Steigungswinkel des Fahrzeugs sowie der prozentuale Beschleunigungswert abrufen. Im Testwagen schmeichelte Leder mit blauen Ziernähten dem Auge. Mit an Bord waren unter anderem Auffahrwarner und aktiver Spurhalter, Innenspiegel mit Kamerabild, elektrisches Glasschiebedach, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Sitzheizung vorn und Zwei-Zonen-Klimaautomatik, adaptiver Tempomat sowie Front- und Rückkamera. Letztere helfen, die doch recht großen Überhänge des Levorg beim Rangieren im Blick zu behalten.

Die Rücksitzbank bietet erstaunlich viel Beinauflage bei ausreichendem Knieraum, die abfallende Dachlinie des sportlichen Kombis fordert allerdings bei der Höhe ihren Tribut. Der Levorg überzeugt mit einem 522 Liter großen Kofferraum von 1,05 Meter Länge und mit zwei Unterfächern. Eines davon belegen Pannen- und Erste-Hilfe-Set sowie das Warndreieck. Und Platz findet das Gepäckraumrollo bei Nicht-Gebrauch dort auch. Bei umgeklappten Lehnen lässt sich das Fassungsvermögen des Kombis auf 1446 Liter erweitern. Die Ladefläche wächst dann um rund 80 Zentimeter und steigt nur leicht nach vorne an.

Eine weitere Stärke des Subaru ist seine schluckfreudige Federung, die auch von Frost zerfressene Landstraßen mühelos glattbügelt. Mit Reichweiten von bis 700 Kilometern empfiehlt er sich ebenfalls als Langstreckenfahrzeug.

Der günstige Anschaffungspreis relativiert sich ein wenig bei den Tankkosten. Zum angegebenen NEFZ-Normverbrauch von 7,2 bis 7,3 Litern je 100 Kilometer sollte man in der Praxis gut und gerne zwei Liter dazu addieren. Dann ist man immerhin nicht mehr allzu fern vom WLTP-Wert entfernt, der mit 8,5 Litern angegeben wird. Also, alles wieder im Lot. (ampnet/jri)